Projekt "Praxisorientierte Erzeugerkriterien für Streuobstprodukte in den Naturräumen Schwäbische Alb und Albvorland"


Region Neckar-Alb reich an Streuobstwiesen
Streuobstwiesen sind insbesondere im Albvorland, teilweise aber auch in Ortsrandlage auf der Schwäbischen Alb, charakteristische und wertvolle Landschaftselemente. Der Naturraum Albvorland hat einen erheblichen Anteil am größten zusammenhängenden Streuobstwiesengebiet Deutschlands. In der Region Neckar-Alb nehmen Streuobstwiesen mit einer Fläche >= 1 ha 10.612 ha ein. Neben ihrem hohen ästhetischen Wert sind ihre enorme Obstsortenvielfalt sowie ihre große Bedeutung für die Pflanzen- und Tierwelt zu erwähnen. Für die Menschen sind sie vor allem als Naherholungsraum bedeutsam; sie tragen aufgrund der extensiven Nutzung zum Schutz von Boden und Wasser bei, zudem fungieren größere Bestände als Frischluftquelle.

 


Abb. 1: Großflächige Streuobstwiesen bei Dettingen/Erms

     
Problem Überalterung und Nutzungsaufgabe
Trotz intensiver Bemühungen für ihren Erhalt sind schon seit Jahrzehnten eine Überalterung und ein Rückgang der Bestände zu beobachten. Bei der Biotopkartierung Baden-Württemberg 1981 - 1989 wurden 50 % der kartierten Streuobstbestände als gefährdet eingestuft (Höll & Breunig 1995). Die Hauptursache dafür liegt aufgrund der geringen ökonomischen Rentabilität in einer Vernachlässigung und Aufgabe der Nutzung. Nach Expertenmeinung lassen sich Streuobstwiesen allein durch die bislang hauptsächlich angewandten Instrumente der Raumordnung, durch staatliche Förderprogramme sowie durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege großflächig nicht erhalten (z.B. Weller 1996).
 
Abb. 2: Streuobstbrache am Scheibengipfel bei Reutlingen
     

Neuer Ansatz mit ökonomischem Reiz
Nachdem konservierende Strategien bislang den negativen Trend bei den Streuobstwiesen nicht aufhalten konnten, wird seit einigen Jahren ein bedeutsamer Beitrag für ihren Erhalt in der Vermarktung von Streuobstprodukten (Apfelsaft, Most, Apfelmus, Obstbrände) mit Aufpreischarakter gesehen, bei der die Erzeuger für ihre Produkte einen höheren Preis erzielen. Damit wird die Nutzung von Streuobstwiesen wieder attraktiver. Das Interesse an Aufpreismodellen nimmt aktuell landesweit zu. Es gibt auch im Landkreis Reutlingen wie in der gesamten Region Neckar-Alb verschiedene Initiativen, die auf Aufpreismodelle setzen.

Lästige Kontrollen - unüberschaubare Vielfalt
Die Erfolge hinsichtlich eines großflächigen Erhalts der Streuobstwiesen bleiben in der Region bislang jedoch hinter den Erwartungen zurück. Dazu einige gewichtige Gründe:
• Nur relativ wenige Bewirtschafter von Streuobstwiesen sind bislang bereit, sich den Erzeugerrichtlinien, wie sie die EU-Öko-Verordnung vorschreibt, anzuschließen. Die Großzahl der Gütlesbesitzer kommen in ihrer Bewirtschaftung jedoch den Richtlinien in vielen Punkten nahe oder erfüllt sie bereits. Sie empfinden die Kontrollen als zu aufwändig.
• Ein weiterer Grund dafür wird in der aktuellen Vielfalt an Initiativen mit unterschiedlichen Richtlinien, Preisen und Vermarktungswegen gesehen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher entsteht dadurch eine verwirrende Vielfalt. Für die allermeisten sind Herkunft und Erzeugerkriterien nicht transparent und nicht nachvollziehbar. Auch von Seiten des Handels (z.B. EDEKA) wird dieses als Nachteil genannt.

     
Zielrichtung des Projektes: Transparenz
Hauptanliegen des Projektes sind die Erstellung und Einführung verbindlicher und auf verschiedene Qualitäten abgestufter Erzeugerkriterien. In Zusammenarbeit mit dem PLENUM-Team im Landkreis Reutlingen sowie in Abstimmung mit Praktikern (Obsterzeuger und Obstverwerter) und dem für PLENUM-Erzeugerkriterien zuständigen Mitarbeiter bei der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe, werden zwei übergeordnete Zielrichtungen verfolgt. Zum einen soll die Möglichkeit eröffnet werden, dass viele regionale Erzeuger von verschiedenen Streuobstprodukten in ein gemeinsames Streuobstkonzept integriert werden können. Zum anderen soll für Verbraucherinnen und Verbraucher die oben geschilderte Vielfalt bezüglich der Herkunft und der Erzeugung der Produkte nachvollziehbar und transparent werden. Weiterhin sollen erste Erkenntnisse über das künftige Marketing gewonnen werden.
 
Abb. 3: Streuobstwiese im Bühler Tal westlich Tübingen
     

Stand des Projektes
Das Projekt ist abgeschlossen. Nach einer Umfrage (August/September 2002), zwei Expertenrunden (September und Oktober 2002), einer Arbeitstagung mit 60 TeilnehmerInnen (27.09.2002) und nach Abstimmung mit der Landesanstalt für Umweltschutz und verschiedenen Praktikern bzw. Experten liegt der Endbericht vom Büro StadtLandFluss (Prof. Küpfer), Wolfschlugen, mit einem Entwurf "Abgestufte Erzeugerkriterien für Streuobstprodukte für die Naturräume Schwäbische Alb und Albvorland" vor.

Zum Starten des Berichts hier klicken (Pdf-Dokument, 261 KB).

Dieser Entwurf wurde mit Naturschutzverbänden und vor allem den Obstverarbeitern in einem weiteren Prozess abgestimmt. Seit September 2003 liegen nun die abgestuften Erzeugerkriterien in der endgültigen Fassung vor. Diese fließen in die Kooperations- und Verarbeitungsverträge zwischen der Streuobstinitiative und den Obstverarbeitern und in die Liefer- und Annahmeverträge zwischen den Obsterzeugern und den Obstverarbeitern ein.


Ansprechpartner:
Herr P. Seiffert
Telefon: 0 74 73 / 95 09 - 22
Telefax: 0 74 73 / 95 09 - 25

E-Mail: info@rvna.de
 
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Zuletzt aktualisiert am: 22.09.2003