Ausbau der Sonnenergienutzung - „S´geht, wenn man‘s gscheid macht!“der

Mit diesen Worten betonte Umwelt- und Energiestaatssekretär Dr. Andre Baumann vom Umweltministerium Baden-Württemberg bei der öffentlichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am vergangenen Dienstag zum Thema „Nutzung der Sonnenenergie als Beitrag zur Energiewende“, dass Freiflächensolaranlagen bei einer guten Planung, ökologische und ökonomische Vorteile mit sich bringen.

In Kooperation der Universität Tübingen und des Regionalverbands Neckar-Alb fand die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend im Fachbereich Geowissenschaften der Universität in Tübingen statt. Hintergrund der Veranstaltung ist die zunehmende Bedeutung der Sonnenenergie bei der Erzeugung von Elektrizität und Wärme und die damit zusammenhängende 4. Regionalplanänderung des Regionalplans Neckar-Alb, die eine moderate Öffnung des Freiraums für solche Anlagen zur Sonnenenergiegewinnung vorsieht.
Bei der Eröffnung verwies Eugen Höschele, der Verbandsvorsitzende des Regionalverbands Neckar-Alb darauf, dass sich bei geplanten Infrastrukturvorhaben, beispielsweise bei der Windkraftplanung in der Region, gezeigt habe, dass die Abwägung zwischen den unterschiedlichen Ansprüchen auf der einen Seite und die Akzeptanz in der Bevölkerung auf der anderen Seite bewältigt werden müssen, was eine große Herausforderung darstelle, die der Regionalverband auch gerne in Kooperation mit Hochschulen angehe. Prof. Dr. Thilo Stehle, Prodekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät hob als Hausherr in seinem Grußwort die Rolle der Universität in der Erforschung und Entwicklung der erneuerbaren Energien und auch der Energiespeicherung hervor.
Im folgenden Vortrag erläuterte Staatssekretär Dr. Andre Baumann die Ziele und Hemmnisse des Ausbaus von Solaranlagen in Baden-Württemberg. Die Klimaziele 2030 könne man nicht allein mit dem Ausbau von Dachflächen-Solaranlagen erreichen. Abgesehen von der Windkraft, die eine wichtige Rolle spiele, müssten zusätzlich jährlich in Baden-Württemberg 170 Hektar Freiflächensolaranlagen mit einer Leistung von 110 Megawatt installiert werden. Als ein Hindernis sieht Herr Dr. Baumann die bisherige Zurückhaltung in den meisten Gemeinden, einen Bebauungsplan für einen Solarpark aufzustellen. Ein weiteres Hemmnis seien in manchen Regionen die strikten regionalplanerischen Belange, die den Ausbau von Solaranlagen auf gewissen Freiflächen nicht zulassen.
Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne vom Forschungsbereich Geographie der Universität Tübingen berichtete im anschließenden Vortrag aus Ergebnissen seiner Forschung zur Akzeptanz von Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien. Interessant in diesem Kontext: Die hauptsächlichen Träger des Protests sind reich an Vermögen, Bildung und sozialem Kapital. Sie sind zumeist älter, beruflich nicht erfolglos und männlichen Geschlechts und häufig mit natur- bzw. ingenieurwissenschaftlichem Grad oder Lehrer. Der Protest erzeuge bei diesen in der Phase nach Beendung der beruflichen Tätigkeit neuen Lebenssinn und neues Sozialkapital.
In der anschließenden Podiumsdiskussion, die durch Dr. Thimo Sedelmeier vom Forschungsbereich Geographie moderiert wurde, zeichnete sich über die sechs Diskutanten hinweg ein grundsätzlicher Konsens über die Notwendigkeit des Ausbaus der Solaranlagen auch im Außenbereich. Dr. Dirk Seidemann, Verbandsdirektor des Regionalverbands Neckar-Alb, hob die wichtige Rolle des Regionalverbands bei der Koordinierung der unterschiedlichen Ansprüche an die Landschaft hervor. Da die regionale Windkraftplanung aus Gründen des Artenschutzes abgebrochen werden musste, müsse man jetzt in der Region den Fokus verstärkt auf die Solarenergie richten. Dr. Gerhard Bronner verwies auf eine geänderte Position des Landesnaturschutzverbands in Sachen Freiflächensolaranlagen. Bei einer guten Planung ergäben sich keine negativen Auswirkungen auf den Artenschutz. Im Gegenteil: Intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen ließen sich ökologisch deutlich aufwerten. „Wir müssen aus der Produktion von Energiepflanzen aussteigen!“ Solarenergie sei deutlich flächensparender als Bioenergie. Frau Stefanie Notter, Leiterin Abteilung Landwirtschaft des Landratsamts Tübingen, verteidigten die landwirtschaftliche Nutzung. Landwirtschaftliche Flächen seien zunehmend knapp, die Nahrungsmittelerzeugung in Baden-Württemberg solle auch in Zukunft gesichert werden. Seit Jahrzehnten gebe die Landwirtschaft Flächen an Infrastrukturprojekte, Siedlungserweiterungen und für den ökologischen Ausgleich ab. Dr. Jann Binder vom Solar Cluster Baden-Württemberg betonte die enorme Wichtigkeit der Information der Öffentlichkeit zu diesem Thema, welche der Solar Cluster vorantreibt.
Aus dem voll gefüllten Hörsaal kamen einige Wortmeldungen, darunter auch die Frage, warum derzeit noch so wenige Solarmodule auf Dachflächen installiert seien. Als Gründe wurden der hohe bürokratische Aufwand und die fehlende Information der Bürgerschaft über die finanziellen Vorteile genannt. Um den Ausbau an Solaranlagen voranzutreiben, sei daher die Information der Öffentlichkeit entscheidend. Staatssekretär Dr. Baumann und Prof. Kühne bestätigten dies. Die Öffentlichkeit müsse frühzeitig informiert und in der Diskussion und in den Planungsprozessen mitgenommen werden. „Wenn man´s gscheit macht, funktioniert´s!“, so Baumann. Es herrschte Konsens darüber, dass für eine erfolgreiche Energiewende neben dem Ausbau an erneuerbaren Energien die Reduktion des Energieverbrauchs sowie die Steigerung der Energieeffizienz ausschlaggebend ist.